Autor: Stephan Kleinschmidt

  • Wer gehört dazu? Die aktuelle EVU-Debatte und die Frage nach unserem „Wir“

    Marion Petersen, Kandidatin für den Vorsitz des Kulturausschusses und Stephan Kleinschmidt, Kandidat für den Hauptvorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger

    Die aktuelle Diskussion rund um  den Begriff „EVU – eine oder einer von uns“ trifft einen wichtigen Punkt: Wie entsteht Zugehörigkeit in einer Minderheit, die sich verändert – und verändern muss? Beim Auftakt der neuen Gesprächsinitiative zur Kandidatur für den Hauptvorsitz des Bund Deutscher Nordschleswiger stand genau diese Frage im Mittelpunkt. Es ging darum, was unsere kulturelle Arbeit trägt, wo neue Chancen liegen – und wie wir das „Wir“ in der Minderheit stärken können.
     
    In der aktuellen Debatte entsteht gelegentlich der Eindruck, die Minderheit sei ein geschlossener Kreis, in den Zugezogene – auch auf Dauer – nur schwer hineinfinden. Das greift zu kurz. Unsere Minderheit war nie statisch oder abgeschlossen. Gerade darin liegt die Stärke unseres Modells. Es geht nicht um Abgrenzung, sondern um ein verbindendes Angebot mit klarer Substanz.
     
    Gleichzeitig darf man die andere Seite nicht ausblenden: Integration ist keine Einbahnstraße. Die Minderheit öffnet Räume, bietet Orientierung und Gemeinschaft. Wer Teil davon sein möchte, muss aber auch bereit sein, sich auf Sprache, Kultur und gewachsene Strukturen einzulassen. Gerade in dieser Balance zeigt sich, was Zugehörigkeit wirklich ausmacht. Sie entsteht dort, wo Offenheit und Erwartung zusammenkommen – wo Einladung und Eigeninitiative sich ergänzen. Nicht durch bloße Zugehörigkeit auf dem Papier, sondern durch Mitmachen, durch Engagement und durch den Willen, Teil eines gemeinsamen Ganzen zu werden.
     
    Ole Cramer bringt es auf den Punkt: Wer sich zur deutschen Minderheit bekennt, gehört dazu. Anspruch sollte deshalb sein, Integration als gemeinsamer Prozess aktiv zu gestalten.  Kulturarbeit spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sie schafft Begegnung, vermittelt Identität und stärkt das Gefühl, Teil einer lebendigen Gemeinschaft zu sein. Wenn uns das gelingt, dann wird aus der aktuelle Debatte mehr als ein Streit um Begriffe – dann wird sie zu einer echten Chance für die Zukunft unserer Minderheit.

  • Neue Partnerschaft für Minderheit: BDN soll Minderheitenpolitik strategisch stärken


    Der Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) soll die Zusammenarbeit mit den vier Kommunen in Nordschleswig/Sønderjylland künftig enger, strategischer und mit einer größeren gegenseitigen Verantwortung gestalten. Diesen Vorschlag macht Stephan Kleinschmidt im Rahmen seiner Kandidatur für den BDN-Hauptvorsitz. Unterstützung erhält der Ansatz bereits von Sonderburgs Bürgermeister Erik Lauritzen. Tonderns Bürgermeister Jørgen Popp Petersen hebt zudem die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst Nordschleswig hervor.
     
    Im Mittelpunkt steht eine stärkere politische und strukturelle Verankerung der Deutschen Minderheit als aktiver Teil der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Minderheit soll langfristig und partnerschaftlich ausgebaut werden.
     
    „Die Deutsche Minderheit ist ein fester Teil Nordschleswigs und übernimmt gesellschaftliche Verantwortung. Deshalb braucht es verlässliche Partnerschaften auf Augenhöhe, regelmäßigen Dialog und gemeinsame strategische Ziele“, erklärt Stephan Kleinschmidt – aus 20 Jahren kommunalpolitischer Erfahrung in der Kommune Sonderburg.

    Zusammenarbeit stärker verankern und ausbauen

    Künftig sollen zentrale Fragen der Minderheitenpolitik – etwa Bildung, Kultur und soziale Infrastruktur – stärker gemeinsam beraten werden. Dazu schlägt Kleinschmidt regelmäßige Gespräche zwischen dem BDN und den Bürgermeistern der vier Kommunen vor, die künftig auch verstärkt auf Einladung des BDN stattfinden sollen. Der bisherige Austausch im Sønderjysk Koordinationsudvalg soll im Dialogforum Sønderjylland weiterentwickelt und gestärkt werden.
     
    Ziel ist eine Partnerschaftsvereinbarung zwischen dem BDN und den Kommunen. Eingebunden werden sollen dabei unter anderem der Sozialdienst, der Deutsche Schul- und Sprachverein, der Deutsche Jugendverband sowie die Schleswigschen Partei. Sie sichert als demokratische Vertretung der Minderheit die kommunale Verankerung und prägt die Zusammenarbeit maßgeblich mit.
     
    Als Vorbilder nennt Kleinschmidt die Erfahrungen in Tondern sowie den kommunalpolitischen Kontaktausschuss der deutschen Minderheit in Sonderburg Kommune. Beide Modelle zeigen, dass ein strukturierter Dialog Vertrauen schafft und konkrete Ergebnisse ermöglicht.
     

    Zitate

    Stephan Kleinschmidt:
    „Die Zukunft der Deutschen Minderheit entscheidet sich auch vor Ort in den Kommunen. Dabei spielt die politische Arbeit der Schleswigschen Partei eine zentrale Rolle. Minderheitenpolitik und kommunale Entwicklung müssen deshalb noch enger zusammengedacht werden.“

    Erik Lauritzen:
    „Die Erfahrungen aus dem Kontaktausschuss in Sonderburg haben gezeigt, wie wertvoll ein strukturierter Austausch mit der Deutschen Minderheit ist. Eine Weiterentwicklung auf strategischer Ebene ist der richtige nächste Schritt.“

    Jørgen Popp Petersen:
    „Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Minderheit, insbesondere über den Sozialdienst Nordschleswig, zeigt sehr konkret, welchen Mehrwert starke und verlässliche Partnerschaften für unsere Kommunen haben und wie sie die Entwicklung gemeinsam stärken können.“

  • Die Stärke unserer Minderheit entsteht im Dialog

    Die Neujahrstagung des Bundes Deutscher Nordschleswiger ist ein guter Anlass, um innezuhalten und gemeinsam nach vorn zu blicken. Unsere Minderheit steht vor wichtigen Entscheidungen – in Bildung, Kultur, Politik und Organisation. Umso wichtiger ist es, dass wir diese Fragen nicht übereinander, sondern miteinander beraten. Meine Kandidatur für den Hauptvorsitz des BDN steht deshalb unter einem klaren Leitgedanken: Die Stärke unserer Minderheit entsteht im Dialog. Bevor es um Programme, Positionen oder Beschlüsse geht, braucht es Begegnung, Vertrauen und gemeinsames Nachdenken. Nur so entstehen tragfähige Lösungen.

    Vor diesem Hintergrund habe ich im Dezember einen 5-Punkte-Plan für eine starke Deutsche Minderheit vorgestellt. Er bündelt zentrale Zukunftsfragen in fünf Schwerpunkten: erstens verlässliche Schulen und Kindergärten als Fundament unserer Minderheit, zweitens Zusammenhalt und Solidarität, die im Alltag spürbar werden, drittens eine zeitgemäße Vermittlung unserer Identität, offen und anschlussfähig für alle Generationen, viertens mehr Beteiligung und Gleichstellung, damit Engagement leichter möglich wird, und fünftens eine klare politische Sichtbarkeit – selbstbewusst vor Ort und nach außen.

    Dieser Plan ist bewusst kein fertiges Programm. Er ist eine Einladung zur gemeinsamen Beratung. Denn gute Antworten entstehen nicht am Schreibtisch, sondern im Austausch. Deshalb setze ich im Rahmen meiner Kandidatur auf eine Dialogoffensive. Ich möchte zuhören, lernen und mich persönlich vorstellen – dort, wo das Minderheitenleben stattfindet. Die Neujahrstagung kann dafür ein Startpunkt sein: für mehr Gespräch, mehr Beteiligung und Orientierung mit gemeinsamer Verantwortung.

  • Jetzt gemeinsam weiterdenken

    Der Artikel „Das sind die Herausforderungen für deutsche Vereine in Sonderburg“ vom 7. Januar 2026 zeigt deutlich, vor welchen Aufgaben viele Vereine der deutschen Minderheit derzeit stehen: begrenzte personelle Ressourcen, steigende Erwartungen und der Anspruch, für Mitglieder und Nutzer attraktiv und relevant zu bleiben.

    Viele dieser Herausforderungen sind keine Einzelfälle, sondern Ausdruck eines notwendigen Entwicklungsprozesses, den wir als Minderheit gemeinsam gestalten müssen. Hier setzt auch mein 5-Punkte-Plan an. Zusammenhalt und Solidarität sollen stärker erlebbar werden – durch Orte und Formate, die Begegnung ermöglichen, Menschen einbinden, Netzwerke knüpfen, die tragen, und Strukturen besser verzahnen.

    Der Sozialdienst Sonderburg hatte aktuell ausdrücklich zum gemeinsamen Austausch eingeladen. Ich selbst konnte leider nicht teilnehmen, möchte aber betonen, wie wichtig es ist, dass sich die Vereine – hier beispielhaft der Sozialdienst – aktiv mit zentralen Zukunftsthemen der Minderheit beschäftigen. Dass dabei Fragen der Zusammenarbeit zwischen Vereinen, der Wertschätzung des Ehrenamts und der Bedarf an zielgruppengerechten Angeboten diskutiert wurden, ist ein starkes Signal.

    Die Weiterentwicklung unserer Vereine und Institutionen ist eine gemeinsame Aufgabe. Wir haben unterschiedliche Rollen und Aufgaben – kulturell, sozial, politisch oder bildungsbezogen. Uns verbindet jedoch ein zentrales Ziel: den Mitgliedern der deutschen Minderheit und den Nutzerinnen und Nutzern unserer Einrichtungen ein relevantes, zeitgemäßes und verlässliches Angebot zu machen. Der BDN sollte dabei eine klar unterstützende Rolle einnehmen – vernetzend, koordinierend und entlastend. So können Kräfte gebündelt, Doppelstrukturen vermieden und Ehrenamt nachhaltig gestärkt werden.

  • Vor Ort Verantwortung leben

    Mit der Übernahme von elf zusätzlichen Verpflichtungen aus der Sprachencharta setzt die dänische Regierung ein wichtiges Signal. Dieser Schritt ist auch das Ergebnis des langjährigen Engagements des BDN. Dafür vielen Dank. Nach Jahren mit nur dem Mindestumfang an Verpflichtungen ist das ein überfälliges Aufholen im europäischen Vergleich. Doch wie Gwyn Nissen in seinem Leitartikel richtig feststellt: Entscheidend ist nicht, was beschlossen wird, sondern was im Alltag ankommt. Die Sprachencharta wirkt nicht in Kopenhagen, sondern in Apenrade, Tondern, Hadersleben und Sonderburg. Dort müssen die neuen, wie die bestehenden Verpflichtungen mit Leben gefüllt werden.
     
    Aus über 20 Jahren kommunalpolitischer Arbeit im Stadtrat für die Schleswigsche Partei weiß ich, dass Umsetzung Strukturen, Verlässlichkeit und kontinuierlichen Dialog zwischen Minderheit, Politik und Verwaltung braucht. Sonderburg war über Jahre phasenweise ein Positivbeispiel. Seit 2018 gibt es dort einen kommunalpolitischen Kontaktausschuss für die deutsche Minderheit, der die Stadtratsarbeit der SP durch eine enge Zusammenarbeit auf Arbeitsebene ergänzt. Er dient als wichtige Plattform für minderheitenpolitische Anliegen – darunter auch für die Umsetzung der Verpflichtungen aus der Sprachencharta. Das zeigte sich konkret: Deutsche Schulen wurden bei der Nutzung kommunaler Sportanlagen gleichgestellt. Auch die räumliche Entwicklung der deutschen Kindergärten wurde konstruktiv und verlässlich unterstützt. Das Deutsche Museum erhält Zuschüsse, und der Sozialdienst Nordschleswig wird dauerhaft gefördert. Diese Beispiele stehen für Dialog, Vertrauen und klar übernommene kommunalpolitische Verantwortung.

    Damit die neuen Verpflichtungen in allen Kommunen greifen, braucht es flankierende Unterstützung – auch durch den BDN. Ich sehe dies ausdrücklich auch als klaren Arbeitsauftrag an den kommenden Hauptvorsitz: Bedarf und Interessen sichtbar zu machen, das Bewusstsein für den Mehrwert der Sprachencharta zu stärken und die Kommunen praktisch zu begleiten. Denkbar wären kommunale Begleitausschüsse – vor Ort oder kommunalübergreifend. Denn es liegt auch an uns, dass Sprachenrechte in unserem Alltag spürbar werden.

  • Mitten im Wandel – und bereit, ihn zu gestalten

    Der Leserbrief von Andreas Geuss ist von ehrlichem Interesse getragen – und der Blick nach vorne, den er einfordert, ist richtig. Umso wichtiger ist eine Einordnung. Denn bei aller Berechtigung einzelner Fragen verkennt seine Kritik zentrale Entwicklungen, die derzeit im Bund Deutscher Nordschleswiger und im politischen Umfeld der Minderheit stattfinden. Ja, Mitgliedszahlen, Beteiligung und Identifikation sind Herausforderungen. Daraus jedoch ein grundsätzliches Identitätsproblem oder gar einen „Generationenbruch“ abzuleiten, greift zu kurz. Wir erleben keinen Stillstand, sondern befinden uns mitten einen begonnenen und weiter gestaltbaren Generationenwechsel.

    Meine Kandidatur für den Hauptvorsitz des BDN ist deshalb bewusst mit einem klaren 5-Punkte-Plan verbunden. Er setzt auf Zusammenhalt und Solidarität, stärkt Netzwerke und schafft verlässliche Strukturen für echte Teilhabe. Ziel ist ein tragfähiges „Minderheiten-Wir“. Identität verstehe ich dabei nicht als Abgrenzung, sondern als gemeinsames Projekt – offen für unterschiedliche Lebenswege, Generationen und Zugezogene. Entscheidend ist, Beteiligung einfacher, sichtbarer und attraktiver zu machen und Wege in Verantwortung klar zu benennen.

    Dass dieser Wandel teils bereits gelebt wird, zeigen zahlreiche Beispiele: In der Schleswigschen Partei wollen mit Erwin Andresen, Randi Damstedt und Dorthe Andresen neue, auch jüngere Führungspersönlichkeiten Verantwortung übernehmen. Im BDN kandidieren u.a. Rasmus Jessen und Jan Schmidt als Vertreter einer neuen Generation für den stellvertretenden Hauptvorsitz. Im Kommunalwahlkampf standen Wencke Andresen, Leif Curdes und viele junge Spitzen für gelebte Verantwortung. Auch in den Verbänden ist Erneuerung sichtbar – der Deutsche Jugendverband ist dafür nur ein Beispiel und entwickelt unter Jasper Andresens Leitung seine Arbeit erfolgreich weiter. Nicht zuletzt hat auch im Hauptamt im Haus Nordschleswig ein Generationswechsel eingesetzt, der frische Impulse mit Erfahrung verbindet.

    Die deutsche Minderheit verliert ihre Identität nicht, sondern erneuert sie im Dialog der Generationen. Wir stehen vor einer Gestaltungsaufgabe. Mein Ziel ist es, diese Bewegung zu bündeln, die Minderheit weiter zu mobilisieren und zu einer starken, zeitgemäßen Entwicklung beizutragen.

  • Gleichstellung ist nicht nur eine Personalfrage

    Die anhaltende Diskussion über die geschlechtliche Besetzung des Hauptvorsitzes im Bund Deutscher Nordschleswiger zeigt vor allem eines: Beim Thema Gleichstellung besteht weiterhin ein spürbarer Kommunikations- und Umsetzungsbedarf. Gleichstellung ist im BDN jedoch kein neues Versprechen. Mit der Gleichstellungspolitik von 2019 und der Einrichtung der Arbeitsgruppe Gleichstellung existiert eigentlich ein klarer, institutionell verankerter politischer Auftrag.
     
    Problematisch ist, dass der öffentliche Diskurs oft auf die Frage der männlichen oder weiblichen Besetzung des Hauptvorsitzes verengt wird. Gleichstellung entscheidet sich jedoch nicht an einer Person oder einem Amt, sondern daran, ob Haltung, Strukturen und Entscheidungsprozesse zusammenpassen. Wer Gleichstellung ernst nimmt, muss sie programmatisch denken und konsequent im Alltag der Minderheit leben. Als Kandidat für den Hauptvorsitz ist es mein Anspruch, Gleichstellung zur verbindlichen Pflichtaufgabe des BDN zu machen. Ein Gleichstellungs-Aktionsplan mit klaren Zielen, Zuständigkeiten und Zeitrahmen soll in der Arbeitsgruppe Gleichstellung erarbeitet, mit dem Frauenforum Nordschleswig abgestimmt, vom Hauptvorstand beschlossen und in seiner Umsetzung begleitet werden. 
     
    Wichtig ist: Gleichstellung bedeutet nicht, Menschen auf ihr Geschlecht zu reduzieren. Maßstab müssen Kompetenz, Haltung und Programm sein – nicht Zuschreibungen oder symbolische Erwartungen. Dies gilt für alle Bewerberinnen und Bewerber, auch für meine Gegenkandidatin.
     
    Ein wirksamer Ansatz reicht über Gremienbesetzungen hinaus. Er umfasst zeitgemäße Organisations- und Sitzungskultur, bessere Vereinbarkeit von Ehrenamt, Familie und Beruf, gezielte Qualifizierung und Mentoring sowie Kommunikation, die Vielfalt sichtbar macht. Positive Beispiele aus der Praxis der Minderheit zeigen, dass Gleichstellung dort gelingt, wo Strukturen Verantwortung ermöglichen. Wird Gleichstellung Programm, Prozess und gelebte Praxis, wird sie zur Stärke der deutschen Minderheit insgesamt.

  • Beteiligt euch – unsere Minderheit lebt vom Mitmachen!

    Wie steht es um unsere Demokratie – und wie können wir sie stärken? Die Süddänische Universität untersucht derzeit die Machtstrukturen, Entscheidungsprozesse und demokratischen Mechanismen Dänemarks (Magtudredning 2.0). David Hopmann, der an dieser Untersuchung mitwirkt, betonte in einem aktuellen Vortrag: Demokratie lebt von drei Säulen – aktiver Bürgerbeteiligung, demokratischer Willensbildung und tragfähigen kollektiven Entscheidungen.

    Die Ergebnisse sind differenziert: Das Misstrauen ist nicht dramatisch gestiegen, doch die Beteiligung in Zivilgesellschaft und Politik nimmt ab. Es ist ein schleichender Rückzug. Mitgliederdemokratie gerät unter Druck, und Debatten zersplittern im fragmentierten Medienumfeld. Demokratie funktioniert – aber sie braucht neue Impulse und eine Führungskultur, die moderiert.

    Diese Fragen betreffen auch unsere Minderheit. Unsere Strukturen sind überschaubar, doch auch wir können Vereine und Organisationen enger verzahnen und Angebote zugänglicher machen. Schließlich lebt eine Minderheit davon, dass möglichst viele informiert sind – und sich einbringen. Ein guter Anlass sind derzeit die Generalversammlungen der vielen Vereine der deutschen Minderheit, bei denen jede Stimme und jede Idee sichtbar Wirkung entfalten kann. Damit Beteiligung gelingt, muss sie zudem leicht zugänglich sein. Hier spielt Öffentlichkeit eine zentrale Rolle: Der Nordschleswiger ist als digitales Medienhaus für die gesamte Minderheit zugänglich und relevant. Mit der Neuausrichtung – schneller, zuverlässiger, multimedial – stärkt er jene informierte Teilhabe, die eine lebendige Demokratie braucht, und leistet so einen wertvollen Beitrag für unsere Minderheit.

    Hopmanns Analyse ist Mahnung und Auftrag zugleich: Demokratie lebt vom Mitmachen – auch in unserer Minderheit. Sie unterstreicht, wie wichtig es ist, mehr Beteiligung zu wagen und die ganze Minderheit zu aktivieren. Engagement soll eine Einladung sein; neue Mitmach-Formate, konsequente Gleichstellung und niedrigschwellige Wege können es möglichst vielen erleichtern, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv in öffentliche Debatten einzubringen. Dafür stehe ich ein – offen und im Dialog.

  • Zuzug braucht Orientierung – auch innerhalb der Minderheit

    Die vielen Zuzüge aus Deutschland nach Nordschleswig sind für die deutsche Minderheit zugleich Chance und Herausforderung. Neue Familien beleben unsere Schulen und Kindergärten, engagieren sich in Vereinen und bringen frische Impulse in unsere Strukturen. Das ist eine gute Nachricht – gerade in einer Region, die demografisch unter Druck steht. Gleichzeitig spüren viele, dass es an einer gemeinsamen Einordnung dieser Entwicklung fehlt. Es besteht die Sorge, dass fehlende Integration – auch in den eigenen Reihen – Parallelstrukturen erzeugt und damit Identität, Zusammenhalt und gesellschaftliche Akzeptanz untergräbt.

    Innerhalb der Minderheit wird diskutiert – teils engagiert, teils verunsichert. Wer gehört eigentlich dazu? Reicht es, unsere Einrichtungen zu nutzen? Oder braucht Zugehörigkeit mehr als einen Schulplatz oder eine Vereinsmitgliedschaft? Und wie gelingt es, Offenheit mit Identität und Qualität zu verbinden? Diese Fragen verdienen einen offenen und strukturierten Diskurs.

    Was bislang fehlt, ist eine konzeptionelle Grundlage, die unser Vorgehen orientiert, Erwartungen klärt, unsere Strukturen aufeinander abstimmt und das Bewusstsein der Zugehörigkeit zur Minderheit stärkt. Außerdem braucht es verlässliche Begleitstrukturen für neue Mitglieder. Denn nicht alle Zugezogenen gehören automatisch zur Minderheit. Aber wer unsere Einrichtungen nutzt, sich einbringt, Verantwortung übernimmt und integraler Bestandteil unserer Gemeinschaft werden will, der gehört dazu – nicht sofort, sondern im Laufe eines gemeinsamen Weges.

    Gelungene Integration braucht Zeit, Vertrauen und Dialog. Und sie braucht Klarheit auf beiden Seiten: über Rechte, Pflichten und Erwartungen. Was uns nicht weiterbringt, sind pauschale Debatten im luftleeren Raum über „die Zugezogenen“. Sie verunsichern mehr, als sie klären. Stattdessen sollten wir das Thema sachlich, selbstbewusst und strategisch angehen – als Minderheit, die offen ist, aber auch weiß, wofür sie steht. Daran möchte ich mitarbeiten.

  • Verantwortung weitergeben – Engagement sichern

    Derzeit finden in unserer deutschen Minderheit die Jahres- und Generalversammlungen statt. Vielerorts werden Vorstände neu gewählt – mancherorts bleiben Posten unbesetzt, mit spürbaren Auswirkungen auf Verein und Minderheit, wie aktuell am Beispiel des BDN-Ortsvereins Saxburg-Bülderup. Das ist Anlass zur Sorge, aber auch zu Reflexion und neuer Ausrichtung.

    Mein ausdrücklicher Dank gilt allen, die Verantwortung übernehmen – im Sport, in der Kultur, in den Ortsvereinen und Verbänden. Ohne dieses ehrenamtliche Engagement gäbe es kein lebendiges Minderheitenleben. Ehrenamt stiftet Gemeinschaft, vermittelt Identität und hält unsere Strukturen vor Ort tragfähig. Zugleich erleben wir – wie die Gesellschaft insgesamt – einen Wandel: Engagement ist heute oft projektbezogener, zeitlich begrenzter und stärker an Lebensphasen orientiert. Die Bereitschaft, sich langfristig in Vorständen zu binden, ist nicht mehr selbstverständlich. Berufliche Anforderungen, familiäre Aufgaben und zunehmende Mobilität prägen den Alltag vieler Menschen. Das ist kein Ausdruck fehlender Verbundenheit, sondern ein Zeichen veränderter Rahmenbedingungen.

    Umso wichtiger bleibt es, Menschen für Verantwortung zu gewinnen – gerade im Hinblick auf den Generationswechsel. Dafür braucht es klare Aufgabenprofile, überschaubare Mandate, gute Begleitung und sichtbare Wertschätzung. Orte und Formate der Begegnung sind entscheidend, um Nähe und Beteiligung zu schaffen. Denn eine starke Minderheit lebt vom Füreinander.

    Der Bund Deutscher Nordschleswiger sollte gemeinsam mit den Verbänden unterstützend wirken: Strukturen enger verzahnen und kritisch überprüfen, den Austausch zwischen Vereinen fördern und ein Hauptamt bereitstellen, das Ehrenamtliche berät, entlastet und begleitet. Das ist im Interesse aller – aktuell konkret in Saxburg-Bülderup. Nach eventueller Auflösung darf kein Vakuum entstehen, sondern zukunftsfähige Minderheitenarbeit. Daran will ich mit den Menschen vor Ort arbeiten.