Wer gehört dazu? Die aktuelle EVU-Debatte und die Frage nach unserem „Wir“

Marion Petersen, Kandidatin für den Vorsitz des Kulturausschusses und Stephan Kleinschmidt, Kandidat für den Hauptvorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger

Die aktuelle Diskussion rund um  den Begriff „EVU – eine oder einer von uns“ trifft einen wichtigen Punkt: Wie entsteht Zugehörigkeit in einer Minderheit, die sich verändert – und verändern muss? Beim Auftakt der neuen Gesprächsinitiative zur Kandidatur für den Hauptvorsitz des Bund Deutscher Nordschleswiger stand genau diese Frage im Mittelpunkt. Es ging darum, was unsere kulturelle Arbeit trägt, wo neue Chancen liegen – und wie wir das „Wir“ in der Minderheit stärken können.
 
In der aktuellen Debatte entsteht gelegentlich der Eindruck, die Minderheit sei ein geschlossener Kreis, in den Zugezogene – auch auf Dauer – nur schwer hineinfinden. Das greift zu kurz. Unsere Minderheit war nie statisch oder abgeschlossen. Gerade darin liegt die Stärke unseres Modells. Es geht nicht um Abgrenzung, sondern um ein verbindendes Angebot mit klarer Substanz.
 
Gleichzeitig darf man die andere Seite nicht ausblenden: Integration ist keine Einbahnstraße. Die Minderheit öffnet Räume, bietet Orientierung und Gemeinschaft. Wer Teil davon sein möchte, muss aber auch bereit sein, sich auf Sprache, Kultur und gewachsene Strukturen einzulassen. Gerade in dieser Balance zeigt sich, was Zugehörigkeit wirklich ausmacht. Sie entsteht dort, wo Offenheit und Erwartung zusammenkommen – wo Einladung und Eigeninitiative sich ergänzen. Nicht durch bloße Zugehörigkeit auf dem Papier, sondern durch Mitmachen, durch Engagement und durch den Willen, Teil eines gemeinsamen Ganzen zu werden.
 
Ole Cramer bringt es auf den Punkt: Wer sich zur deutschen Minderheit bekennt, gehört dazu. Anspruch sollte deshalb sein, Integration als gemeinsamer Prozess aktiv zu gestalten.  Kulturarbeit spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sie schafft Begegnung, vermittelt Identität und stärkt das Gefühl, Teil einer lebendigen Gemeinschaft zu sein. Wenn uns das gelingt, dann wird aus der aktuelle Debatte mehr als ein Streit um Begriffe – dann wird sie zu einer echten Chance für die Zukunft unserer Minderheit.